profil

EIN INTERVIEW MIT BERNHARD KOCH

Wie wird man eigent­lich Fil­me­ma­cher? Ich hab schon als klei­ner Junge von einer Kamera geträumt. Ich denke, es ging mir immer darum, etwas zum Aus­druck zu brin­gen, was in mir ist, aber über mich hin­aus­geht. Als Knirps wollte ich Bücher schrei­ben. Ich wäre lie­bend gerne Dich­ter oder wenigs­tens Jour­na­list gewor­den. Dann habe ich irgend­wann das Medium Film für mich entdeckt.

Dich­ter? Ja, ich lese gerne Gedichte, ich finde, gute Gedichte ver­mit­teln am ehes­ten etwas Wahr­heit und Zugang zur Rea­li­tät. Aber ich lese auch gerne Romane: Joseph Roth, Ste­fan Zweig, W.G. Sebald, alles sehr poe­ti­sche Auto­ren.
Heute ver­su­che ich immer etwas Poe­ti­sches in meine Filme – selbst in den kleins­ten Wer­be­spot – ein­flie­ßen zu lassen.

Ihr ers­ter Film war auch prompt ein Film über den öster­rei­che­ri­schen Dich­ter H.C. Art­mann… Das stimmt nicht ganz. Ich hab schon wäh­rend mei­ner Schul­zeit ein paar Spiel­filme gedreht und auch als ich ver­suchte Thea­ter­wis­sen­schaft zu stu­die­ren. Mein ers­ter Doku­men­tar­film war dann eine Reise durch Süd­eng­land. Ich bin zu Fuß alle Kult­plätze um König Artus abge­wan­dert und habe dort alleine gefilmt. Ich war ein rich­ti­ger König-Artus-Fan. Und erst danach kam der Film über Artmann.

Was für Filme dre­hen Sie am liebs­ten?  Doku­men­tar­filme? Spiel­filme? Wer­be­filme? Das ist mir eigent­lich egal. Ich drehe gerne Doku­men­tar­filme, weil ich mich dann end­lich mit einem Thema inten­siv beschäf­ti­gen kann. Das war schlicht­weg die große Erfah­rung beim Film über den Insek­ten­for­scher Jean-Henri Fabre: Es kann wirk­lich span­nend sein, Insek­ten zu beob­ach­ten. Diese klei­nen Tiere sagen einem mehr über das Leben als jeder Zei­tungs­ar­ti­kel.
Wer­be­filme drehe ich gerne, weil man dabei soviel über unsere Gesell­schaft lernt. Ich drehe meist für klei­nere Mit­tel­ständ­ler, direkt, ohne Wer­be­agen­tur. Die Kun­den sind immer sehr nett und ich bekomme oft einen span­nen­den Ein­blick in die Unter­neh­men und Unter­neh­mens­phi­lo­so­phie.
Und Spiel­filme drehe ich gerne, weil ich mich dabei aus­pro­bie­ren kann. Filme an für sich bie­ten mir die Mög­lich­keit gefahr­los unbe­kannte Gegen­den zu betreten.

Sie haben drei No-Budget-Spielfilme gedreht. Wie geht das? Ich wollte ein­fach Filme machen. Meine drei Kino­spiel­filme „Heim­ler“, „Som­mer­loch“ und „das Buch Daniel“ ent­stan­den aus einer Mischung aus Ver­zweif­lung und Idea­lis­mus. Es waren im Prin­zip Kunst­pro­jekte – es ging dabei auch viel um Selbst­er­fah­rung und Grup­pen­dy­na­mik. Ich koor­di­nierte bis zu 100 Per­so­nen pro Pro­jekt, ich drehte pro Film ca. 50 Tage lang, min­des­tens ebenso lange dau­erte der Schnitt, ich drehte meist ohne Dreh­buch und das alles ohne Geld.

Was reizt Sie am Doku­men­tar­film? Film ist ein wun­der­vol­les Medium, um sich mit The­men zu beschäf­ti­gen, die außer­halb von mir selbst lie­gen, mei­nen Hori­zont erwei­tern. Film ver­schafft mir Zugang zu Men­schen und Din­gen, die ich nor­ma­ler­weise nie ken­nen ler­nen würde. Und beim Fil­me­ma­chen fin­det eine inten­sive, per­sön­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit die­sen Din­gen statt. Das ist eine unglaub­li­che Berei­che­rung für mich.